Historie

Die „Fuggerei“ trägt den Namen des adligen Anton Graf Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn; 1601 zog dieser nach Schwäbisch Gmünd. Die Fuggerei ist das ältesten erhaltene Steinhaus der Stadt und weist noch romanische Mauerreste auf. Ursprünglich diente sie sozialen Zwecken – Bürger in Not wurden hier unterstützt. Nach einer wechselvollen Geschichte zog erstmals 1980 ein Restaurant in das Gebäude. Nach einem verheerenden Brand wurde es 1985 komplett renoviert und modernisiert. Die mächtige Fuggerei beherrscht durch seine zentrale Lage den Münsterplatz von Schwäbisch Gmünd.

Die Vita der Fuggerei

Wenn man den Namen „Fugger“ hört, denkt man natürlich sofort an die reiche Unternehmerfamilie und die von Jakob Fugger 1521 gestiftete älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt in Augsburg.

„Unsere“ Fuggerei in Schwäbisch Gmünd war jedoch weder eine Filiale des berühmten Handelshauses noch Teil einer Sozialsiedlung. Der Name „Fuckerey“ taucht nach derzeitigem Stand der Forschung erst 1652 auf und damit Jahrzehnte nach dem Tod des Namengebers Anton Fugger.

Aber zuerst zur wechselvollen Geschichte des Hauses:
Aufgrund der romanischen Elemente ist es in das frühe 13. Jahrhundert zu datieren. Erstmals beurkundet wird es 1383 als Schultheißensitz. Anton Fugger kaufte es im Jahre 1601. Hundert Jahre später, 1704, wurden in der Fuggerei im Verlauf des spanischen Erbfolgekrieges ungefähr 230 französische Kriegsgefangene eingekerkert. Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurde das Gebäude zuerst zum Kriminalgefängnis, später zum Amtsgerichtsgefängnis für das Oberamtsgericht Gmünd umfunktioniert. Dafür wurden vor allem im ersten Obergeschoss Zellen eingebaut. Zuvor diente es kurze Zeit als Gewehrfabrik.

Nach einer Instandsetzung des Äußeren und einem Innenumbau wurde das Haus ab 1939 von der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ genutzt. Verschiedene Sanierungsplanungen der 70er Jahre führten 1979 zur kompletten Restaurierung des Hauses. Am 10. September 1985 brannte die Fuggerei nahezu vollständig aus. Ein rekonstruierender Wiederaufbau gab dem Haus die äußere Gestalt wieder. Im Inneren wurde jedoch durch Betondecken und einem Dachstuhl aus Fichtenholz etwas völlig Neues geschaffen.

Der Namensgeber Anton Fugger (1552 München – 1616 Schwäbisch Gmünd) war das Oberhaupt einer Seitenlinie des gräflichen Hauses der Fugger zu Kirchberg und Weißenhorn. Hochgebildet, in Wissenschaft und Kunst erfahren, doch mit seinen Brüdern und der Stadt Augsburg zerstritten und darüber hinaus hoch verschuldet, kehrte er 1601 nach fünfjähriger Haft Augsburg den Rücken und ließ sich in Schwäbisch Gmünd in der später so genannten Fuggerei nieder. Aber auch mit der Stadt Gmünd legte er sich wegen seiner Schulden an. Er musste die Stadt verlassen, sein Haus wurde versiegelt und erst zweieinhalb Jahre später – nach einer Schlichtung im Jahr 1610 – durfte er wieder zurückkehren. Sein Grab sowie sein Totenschild befinden sich in unmittelbarer Nähe der Fuggerei im Münster.